14
Sehnsuchtsorte
10 2017

Die Sehnsucht ist etwas, das viele Orte kennt. Hafenstädte sind nur eine Möglichkeit, Länder, wo Zitronen blühen, eine andere. Von einer „freiflottierenden Angst“ spricht Freud, die sich grundsätzlich an jedes Objekt heften kann und alles mit einer Angst auflädt, die aus sich heraus keinen Grund hat. Ganz ähnlich mag es sich mit einer Sehnsucht verhalten, die in der Kirmes ihr Objekt finden kann oder in der Bäckerei, im Schwimmbadkiosk oder der Plattenbausiedlung.

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Lob der Moral
6 2017

Glaubt irgendjemand, dass es noch etwas zu ändern gibt? Oder haben wir uns mit der Tatsache abgefunden, dass wir auf einem kalten Planeten leben, dass es nicht von uns und schon gar nicht von Literatur abhängt, was passiert, wie das Spiel gespielt wird und wer gewinnt? Es gibt keine Rätsel zu lösen. Wir wissen um die Grenzen unserer Fähigkeiten. Unsere Hoffnung, das ist ein wenig soziale Wärme in unserer Nahwelt. Alles, was darüber hinausgeht, erscheint uns als unrealistisch, ewig gestrig und totalitär. Wir erleben den „Exodus“. Den Auszug aus der eigenen Welt, die wir hinter uns lassen, wie einen vernutzten Lumpen, der noch am Boden klebt. Den Lumpen, zu dem diese Welt geworden ist, wieder aufzunehmen, dafür bräuchte es eine Haltung der decency oder Demut, eine Erzählung oder Utopie – vielleicht auch einfach ein „Lob der Moral“.

12
Exodus
11 2016

Was kommt, nachdem wir gesprochen und gesungen haben, nach Litanei und Verwünschung, nachdem die Helden gestorben sind? Was kommt, nachdem die Leichen begraben wurden und die Trauer vollzogen ist? Im griechischen Drama folgt dem letzten Lied des Chores der Auszug, der Exodos. Das letzte Lied ist eine Warnung und Klage, die in Worten auferstehen lässt, was dem Drama seinen Grund gab. Es warnt die, die das Drama überdauern, die Postdramatischen. Doch die Warnung hat nicht das letzte Wort. Es muss noch etwas zum Verschwinden gebracht werden. Wenn die Figuren abgegangen sind und der letzte Vers verklungen ist, bleibt etwas auf der Bühne liegen: Bruchstücke vergangener Bedeutung. 11€

Sellout Bitches (Best Of)
9 2016

Der Band “What We Did Before We Became Sellout Bitches” versammelt Texte und Bilder aus den vergangenen sieben Jahren, die einen Wegnachzeichnen sollen, der den gegenwärtigen Stand fixiert. Denn das Literatur- kollektiv „Otium“ befindet sich kontinuierlich in einem selbstkritischen Redaktionsprozess, dessen Spannungen und Entladungen sich in den Arbeiten manifestieren. Wo Wege und Irrwege, Fortschritte und Selbstwiderlegungen, Gelingen und Scheitern in eine Linie gesetzt werden, bestätigt sich Hegels Diktum, dass auch das Falsche nicht falsch, das Misslungene kein Misslingen ist, solange es weiterführt. Und auch auf dieser Basis stellt der renommierte Literaturkritiker Michael Braun fest, es mit einem der „intelligenten Periodika der jungen Literatur-Szene“ zu tun zu haben.

11
Die alten Geschichten
11 2015

Den Stoff von otium 11 bilden die alten Geschichten. Woher sie stammen, wie sie funktionieren und wohin sie gehen. Was ist im Spiel, wenn wir von alten Geschichten sprechen, von Fiktionalität und Bildhaftigkeit, vom Erzählen und Berichten? Wir leben in einer Welt, in der jede Botschaft sich selbst anpreist, jede Geschichte sich selbst erzählt und Bilder vor allem durch sich selbst überwältigen wollen, in der individualisierte Kulturprodukte am Markt der Ideen konkurrieren. Wenn wir mit Bildern arbeiten, dann meist in der Weise, wie Maulwurf und Fuchs in der Erzählung von Isaiah Berlin eingesetzt werden: um zu veranschaulichen. Der Fuchs weiß viele Dinge, der Maulwurf aber kennt eine große Sache. Heißt, entweder wir erschaffen uns ein großes System von Wissen oder wir sammeln dezentral Informationen. Bildlichkeit wird hier nicht eingesetzt, um etwas zur Sprache zu bringen, was sich begrifflich nicht fassen lässt, sondern um das, was ohnehin gesagt wurde, mit einem Bild zu verstärken. Wir leben in Zeiten einer Iconisierung der Metapher. Was dabei verloren geht, ist eine Dimension komplexen Denkens, sprachpragmatischen Ahnens und wissenden Kommunizierens und damit eine kulturelle Fähigkeit, die uns mehr denken und sprechen ließ, als wir denken und sagen konnten. Die uns in den Stand setzte, zu verarbeiten, was über unseren Kopf hinausgeht. Im gemeinsamen Rückbezug auf eine nicht rational auflösbare Bildlichkeit, entstehen Bindungen und Verständnisarten, die sich nicht einfach beim nächsten Interessenkonflikt auflösen, die tiefer wirken als unsere instrumentelle Vernunft, weil sie tiefer liegen als unser kommerzielles Interesse. Das, was uns verbindet, sind die alten Geschichten, sind die immer neuen Geschichten, die uns von der Innenseite unseres Denkens ansprechen und in einen Zusammenhang von Komplexität setzen, in dem wir wissen, was wir nicht wissen und verstehen, was wir nicht verstehen. Die alten Geschichten sind der Schutzwall gegen die verstehbare Welt, die uns nichts sagt und dumm macht.

10
OTIUM X
2 2015

Mit OTIUM X wird ein Buchstabe zum Zentrum des Denkens und Schreibens. X ist ein Platzhalter, aber auch die Markierung eines Treffers. Das Bestimmte und das Unbestimmte werden durch den Term X gleichermaßen ausgedrückt. Zum X denken, heißt Bestimmung und Offenheit in eins zu denken. Wir selbst sind niemand und gleichzeitig unendlich bestimmt, unsere Phantasie ist eine Reproduktionsmaschine für Konfektionen, unser Schreiben richtet sich unbewußt an einer Palette von Kriterien aus, über die wir nicht entscheiden, schon deshalb, weil wir sie nicht mehr bemerken. Schreiben zum X heißt, in einer Gegenwart zu schreiben, in der die Gewißheit des selbstbewußten Subjekts in der Bewußtlosigkeit einer maschinellen Welt die Wahrheit über sich selbst erfährt: Wir haben das, was wir verlieren, nie besessen.

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